Gedichte
Unzählige Feuer lodern um mich;
Gesänge zerreissen die Stille der Nacht;
Der Nebel, welcher sich aus den Sümpfen erhebt
taucht den Wald in unwirkliches Licht.
Gelächter schallt von den Feuern herüber,
man erzählt von den Schlachten, die man schlug.
Geschichten voller Helden und Abenteuer,
Geschichten, rot gefärbt von Blut.
Erschöpft von den Schlachten des letzten Tages
sinken die Ersten zum Schlafen hernieder.
Stille breitet sich über uns aus,
es verstummen die letzten Lieder.
Die Zeit verronnen, die Feuer erloschen,
doch irgend etwas hält mich wach.
Mein unruhiger Geist läßt mich nicht schlafen,
ich lausche in die dunkle Nacht.
Doch nehme ich keine Geräusche wahr,
totenstill gibt sich der Wald.
Plötzlich rascheln, Äste bersten,
das Geschrei des Feindes erschallt.
*
Fackeln zerreissen die Dunkelheit,
eine Lanze durchbohrt meinen besten Freund.
Sein Blut spritzt in mein Gesicht;
Schwerter glänzen im Fackellicht.
Wie ein Sturm brechen sie über uns hinein,
gewaltig, voller Wut und Hass.
Schwerter klirren, Menschen schreien,
diese Geräusche gehen mir durch Mark und Bein.
Die Schlacht, sie tobt viele Stunden,
wir wehren uns mit aller Macht.
Geruch von Blut liegt in der Luft,
sein rot wird verschluckt durch das Schwarz der Nacht.
Langsam das Klirren der Schwerter verklingt,
Das Herz eines Feindes hab ich durchstossen.
Entsetzen steht in seinem Gesicht,
bevor er tot zu Boden sinkt.
Mein Blick schweift über das Schlachtfeld der Nacht,
über meine toten Gefährten. Dämonen befallen meinen Geist:
Rache ! Wut ! Ich will Blut !
*
Hilflos liegt das Dorf des Feindes,
vor mir in der dunklen Nacht,
während ich mich leise nähere.
Blut- nur dieser Gedanke hält mich wach.
Ich stürme durch die Hütten,
Mein Blut brennt heiss wie Feuer.
Ich seh Frauen, Kinder und die Alten.
Ich strecke alle nieder. Nichts kann mich noch halten.
Während ich sie töte, seh ich in ihr Gesicht.
Ich sehe Angst, ich sehe Flehen,
doch es berührt mich nicht.
*
Die helle Morgensonne vertreibt das Schwarz der Nacht.
Die Dämonen sind verschwunden. Die unheilvolle Macht.
Direkt zu meinen Füssen, erstreckt sich ein Meer aus Blut,
es trägt die vielen Leichen, das Ergebnis meiner Wut.
Das Grauen in den Augen, sink ich matt hernieder.
Die Seelen meiner Opfer singen tausend Klagelieder.
Ich nehme eine Fackel, geh zu den Hütten rüber,
Die stummen Zeugen meiner Wut, ich brenne alles nieder.
Doch die Stimmen in meinem Schädel, lassen nicht von mir ab.
Sie werden mich begleiten, begleiten bis ins Grab.
W�hrend ich sie tötete, sah ich in ihr Gesicht,
ich sah Angst und ich sah Flehen, jetzt berührt es mich.
Viele lange Stunden sitz ich im Feuerschein.
Stell mir die selbe Frage: Wie konnte ich so grausam sein ?
Meine Seele ist gefroren, mein Leben nichts mehr wert.
Ich schliesse meine Augen und stürz mich in mein Schwert.
© Andy Steinhauf 2001